Pfingstwallfahrt
                    Paris-Chartres
 

 

Bericht

Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt (2014)


Ein Bericht der traditionell-katholischen Pfingstwallfahrt Paris- Chartres unter dem Motto: Les marcheurs de Dieu –
Chrétienté, tradition, mission (2007)


Mit Essvorrat für drei Tage, wasserfesten Schuhen und Rosenkranz im Gepäck fuhren wir in der Schweiz los. Wenn auch mit ca. 100 Teilnehmern nur ein Bruchteil der Chartres-Wallfahrt, so wollten wir Eidgenossen doch unsere Präsenz an diesem wunderbaren Anlass zeigen.
Von der Ostschweiz über Basel, wo die letzten unsere Reisegruppe den Bus bestiegen, fuhren wir, den Rosenkranz betend und in Gespräche vertieft durch das Elsass und Zentralfrankreich in die Metropole – Paris.

Schon bald, am Firmament sahen wir erste in Grau schimmernde Sonnenstrahlen, erblickten wir die Kathedrale Notre-Dame de Paris. Wir waren nicht alleine. Busse aus vielen Nationen, Deutschland, Frankreich, Portugal, ja sogar aus Lettland waren auf dem Vorplatz angekommen. Tausende Pilger, zumeist Jugendliche, fanden sich nach dem Abladen des Gepäcks auf dem Platz vor der Kathedrale ein. Jugendliche – versammelt, um auf 100 km Fussmarsch in 3 Tagen zur Besinnung zu kommen, im Geiste der Tradition der römisch-katholischen Kirche zu beten, zu singen und Gemeinschaft zu erleben. Von mehreren traditionellen Ordensgemeinschaften geleitet, standen wir Schweizer, wie die meisten anderen Pilger auch, unter der Leitung der FSSP. P. Bernward Deneke und P. Franz Prosinger, beide in Schweizer Pfarreien der Petrusbruderschaft tätig, leiteten unsere beiden Schweizer Chapitres (kleine Einzelgruppen) mit Elan und vorbildlichem Einsatz, auch bei den Vorbereitungen.

Nach einer Andacht in der gefüllten Kathedrale machten wir uns in den Chapitres auf den Weg. Die „Ausländer“ – welche im Gegensatz zu den Franzosen nur einen kleinen Teil bildeten, machten sich dennoch bemerkbar. Lautstark zogen wir, mit vielen Schweizer Fahnen ausgerüstet, durch die Pariser Innenstadt. Mit Gebet und Mariengesang ging es, vorbei an staunenden Gesichtern der eben erwachten Franzosen, aus dem hektischen Alltag der Französischen Hauptstadt hinaus aufs Land. Zwischen je zwei Chapitres war jeweils ein Priester zugegen, welcher für Aussprachen oder Beichtgespräche zur Verfügung stand. Im Anschluss an eine kleine Verpflegungspause erwartete uns eine erste Heilige Messe, welche, wie an allen drei Tagen, im römisch-tridentinischen Ritus gefeiert wurde. Ein Ritus, welcher aufgrund seiner Art und der wunderschönen Gestaltung des erlösenden Messopfers vor allem uns Junge fasziniert und uns diese Liebe Gottes überreicht, die wir in diesem Ritus erkennen und ihn somit lieben aus ganzem Herzen.
Beim Einmarsch hunderter Priester und Ordensleute, die meisten davon in noch jungem Alter – wussten wir einmal mehr, dass unsere Kirche lebt.

Nach einem doch sehr ermüdenden ersten Tag, an dem wir trotz Erschöpfung und Schlafmanko 40km hinter uns gelassen hatten, richteten wir unser Camp ein. Und als die Sonne längst untergegangen, Gitarrenklänge das Areal verzauberten und das Lagerfeuer knisterte, legten wir uns hin, versunken in die Erlebnisse dieses ersten Tages.

Der 2. Tag begann früh. Um 6 Uhr Tagwach; für einige war das einfach zu viel des Guten. Wie beispielsweise für jene, die in ihrem Schlafsack erst dann erwachten, als über ihnen das Zelt abgerissen wurde. Die Sonne lachte an diesem Morgen noch unbetrübt über die Ebenen Frankreichs.

Nun hiess es, die nächsten 40km zu meistern. Nach dreistündigem Marsch fanden wir uns in einer Waldlichtung zur zweiten Heiligen Messe ein. Leider begann es plötzlich zu regnen, was aber unsere Andacht nicht trübte. Während der Messe sassen jeden Tag, im Abstand zu allen Gläubigen, dutzende Priester, die das Sakrament der Beichte spendeten. Ein Angebot, welches rege genützt wurde. Die Gläubigen waren in quadratischen Flächen eingewiesen, sodass für das Austeilen der Hl. Kommunion genügend breite Durchgänge frei blieben. Das Empfangen, kniend auf dem Waldboden, um uns herum die Unendlichkeit der von Gott geschaffenen Natur, war ein unbeschreibliches Gefühl.

Am späten Nachmittag schliesslich hörte der Regen wieder auf. Doch selbst schlammige Wege und durchnässte Kleider vermochten den Pilgergeist nicht zu stören. Vor uns lag ein Ziel, und wir wussten: Ja, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!
Für all jene, die aus gesundheitlichen Gründen den Weg nicht fortsetzen konnten, bestand an verschiedenen Stationen die Möglichkeit, auf einen Bus umzusteigen, welcher die Handicapierten an die nächste Raststation brachte. So gab es jeweils einige, die genügend Zeit hatten, auch mal irgendetwas einzukaufen, welches dann auch wieder den anderen zu Gute kam. Ebenfalls gut organisiert war das Fundbüro. Viele verlorene Sachen tauchten wieder auf, wie man es bei einer christlich geprägten Gruppe auch erwarten darf. Auch wurden andere verloren geglaubte Dinge wiedergefunden, wie beispielsweise eine Brille, die sich in den Hosen eines Teilnehmers verirrte und anschliessend beim Schuh wieder ans Tageslicht gelangte.

Der zweite Abend war eine nasse Angelegenheit. Nach einem kurzen Hagelschauer sah unser Camp einem Moorbad gleich und wir schliefen in Wasserbetten. (Gemäss unbestätigten Angaben war die Situation bei den Patres jedoch noch schlimmer, da diese ihre Zelte auf einem Acker aufgebaut hatten). Die Abendverpflegung, wie immer aus Brot, Wasser und Suppe bestehend, konnte uns etwas aufwärmen. Doch da wir echte Chartres-Pilger sind, verwandelte sich auch dieser Regenabend zu einem gemütlichen Beisammensein und es war wohl schon tiefe Nacht, als endgültig Ruhe über dem Camp einzog.

Der dritte Tag stand ganz unter dem Zeichen der Kathedrale von Chartres. „Nur“ noch 25 km galt es zu marschieren, Ein letztes Mal ging es durch endlos scheinende Kornfelder, stets die Türme der Kathedrale vor Augen, ehe wir im frühen Nachmittag diese wunderschöne Kleinstadt Chartres erreichten. Leider reichte der Innenplatz der Kathedrale nicht aus, damit alle Gläubige die Messe im Trockenen erleben durften, so mussten wir, wohl oder übel, im Regen vor der Kathedrale ausharren.

Dank einer aufgestellten Leinwand konnten wir dennoch das Geschehen mitverfolgen, wobei zudem die Gelegenheit bestand, in die Muttergottesseitenkapelle einzutreten, um persönliche Anliegen vorzubringen und bei den vielen anwesenden Priestern zu beichten.
Nach der sehr schön gestalteten Messe, an der auch der Bischof von Chartres teilnahm, machten wir uns auf, um unser Gepäck abzuholen und zum Bus zu eilen.

Um 19 Uhr fuhren wir los, vor uns nochmals die zwei Türme der Kathedrale erblickend, und dankten Gott nochmals für die schönen Tage. Der Ruf „Chartres sonne, Chartres t’appelle“ erklang in unseren Köpfen noch bis weit in die Nacht hinein.

Die Wallfahrt nach Chartres ist unübertrieben ein wirkliches Erlebnis. Viele Personen, die das erste Mal dabei waren, ja, auch solche, die zuvor die Tradition nicht kannten – waren begeistert von der grossen Spiritualität, welcher auf dieser Wallfahrt zu finden war. Keine grösseren Probleme, keine Kriminalität – sondern ein friedliches, von christlicher Nächstenliebe erfülltes Klima war allgegenwärtig. Denn wo Gott ist, hat alles Schlechte keinen Platz. Die Gnaden Gottes, welche uns allen geschenkt wurden, waren sehr gross. Es war eine Jugend die lebt, eine Jugend, die den Geist der hl. Katholischen Kirche nicht nur mitfeiern, sondern auch hinaustragen will in die Welt, wo wir Jugendliche mit Gottes Hilfe immer mehr zu einem Werkzeug Christi werden, um, auch in der Kirche, modernistische Irrtümer, Liberalismus und Glaubensabfall besiegen zu können, gestärkt im Geist durch jenes Motto, was unzählige Male auf unserem Wallfahrtsmarsch erklang: CHRISTUS VINCIT – CHRISTUS REGNAT – CHRISTUS IMPERAT

Virgil Meier, Wittenbach SG, 3.6.07